Predigten

Predigt am Pfingstsonntag 2019

Liebe Gemeinde am Pfingstsonntag,

diese Verse aus Psalm 84 stehen mit Grund am Anfang der Predigt. Als ich mich – 1981 war das – nach der Konfirmation der Jungen Gemeinde der Kruzianer anschloss, beobachtete ich, wie ein Herr schon fortgeschrittenen Alters unter meinen Weggefährten der höheren Klassen auf einer Woge der Sympathie schwebte. Woche für Woche, heute undenkbar, strömten dreißig oder mehr junge Männer ins Gemeindehaus in der Sebastian-Bach-Straße, und warum? Um „Feuri“ zu erleben. Bald schon hatte der Blasewitzer Pfarrer mit seinem freundlichen Blick und seinem geistigen Anspruch auch mich gewonnen.

Im Herbst und Winter ’81 las er mit uns – ich sehe die grünen Bibeln noch – ausgewählte Psalmen. Uralte Texte also, mit denen wir auch sonst zeitweise lebten, die wir übers Jahr sangen. Jetzt aber bedachten wir sie einmal genauer – bevor dann im zweiten Teil des Abends Zeit etwa für Guareschi’s „Don Camillo und Peppone“ war.

Und manches erschloss sich plötzlich oder war erst einmal Anlass zum Gespräch. Psalmworte, so wie die von Heinrich Schützens Vertonung des 84. Psalms hatten uns ja auch belustigt: Wenn Luther übersetzte ..

.. die durch das Jammertal gehen und graben daselbst Brunnen. Und die Lehrer werden mit viel Segen geschmückt.
Sie erhalten einen Sieg nach dem andern, dass man sehen muss, der rechte Gott sei zu Zion. ††

Das klang uns schräg im Ohr! Die Lehrer (!) werden mit viel Segen geschmückt?? Waren wir doch einer sich sozialistisch und atheistisch gebärdenden Volksbildung ausgesetzt .. Welcher Lehrer sollte uns da noch mit Segen geschmückt – ausgerechnet den Gott Zions nahebringen? – Gerade deshalb gingen wir doch zu Feurig, um Alternatives zu hören!

Liebe Gemeinde, bei wem haben Sie etwas für’s Leben gelernt? – Bei den Eltern, ja. Bei wem sonst? Und was hat Ihnen das Lernen leicht oder schwer gemacht? Wo gelang es wie selbstverständlich, als wäre es ein Spiel? Und wo war es mühsam und beschwerlich? Und: Warum war oder ist das Lernen daaa langweilig – und dort ein einziges Vergnügen?

Das muss wohl mit einem bestimmten Geist zu tun haben. Mit einem Geist, der uns aufweckt und alle Sinne öffnet. Der zur Begeisterung befähigt. Oder, wenn er fehlt, als Belehrung quält, die keinerlei Interesse zu wecken vermag.

Der Pfingstsonntag gibt Anlass, so zu fragen. – Menschen lassen sich begeistern. Sie öffnen sich, lernen dazu und geben Erfahrenes weiter. Sie brennen für die Sache mit Jesus und selbst fremde Sprachen sind da keine Hürden mehr. Sogar Milieu- und Landesgrenzen werden übersprungen. Religiöse Globalisierung, wenn man das so nennen will. Pfingsten geschieht ansteckende Kommunikation – sie steht am Anfang des Weges der Christenheit hin zu einer weltumgreifenden Kirche. Ist das ein Wunder? Ein Wunder, das sich ganz von oben her ereignet hat!, so malt es Lukas in der Apostelgeschichte seinem ersten Leser Theophilus und damit allen anderen auch vor Augen.

Wir hören heute wieder davon – inmitten von zwiespältigen Erfahrungen mit den Folgen von Globalisierung. Und sind heute mehr Fragende als Begeisterte. Wie selbstverständlich gehört das Christentum zum eigenen Lebensentwurf, aber was es austrägt und ob ich davon zu reden vermag? Das gerät oft unsicher, so, als hätte es kein Pfingsten gegeben. Und, wenn wir an „Kirche“ denken, ist der Gedanke an eine um sich greifende Dynamik nicht gerade naheliegend. Sind wir ehrlich, gestehen wir zu: Viele Geister greifen nach uns. So vieles nimmt uns gefangen.
Es wäre ein großer Schritt, sich davon freizumachen und einfach wieder zu bitten: Komm, Heiliger Geist ..
Es wäre ein Schritt hin zum Wesentlichen ..

Und da ist dieser besondere Geburtstag heute. Gottfried Feurig war NICHT Pfarrer in Loschwitz. Unser Gemeindegebiet aber lag zwischen den Kirchen, in denen er gewirkt hat: In Weißig oben im Hochland von 1955 – 58, dann ab Januar 1959 jahrzehntelang in „Heilig Geist“ in Blasewitz, woher wir die Glocken läuten hören. Gottfried Feurig hat viele Menschen geprägt, auch viele, stelle ich fest, die inzwischen auf dieser Seite des Flusses am Elbhang wohnen. Auch viele, die heute ganz anderswo zuhause sind. War ihnen damals in „Heilig Geist“ im besten Sinn Geist-Licher. Lehrer. Er gehörte zu der Sorte von Gottes Bodenpersonal, die nicht zu wenig Humor mitbekommen hatte. Zugleich wusste er mehr als genug von den Wirrnissen, in die der Mensch im Leben geraten kann. Von den Tücken der Freiheit. Von den Abgründen der Menschenseele. Das Leben selbst und nicht zuletzt die jahrzehntelange Beschäftigung mit dem Werk von Dichtern und Denkern hatte ihn gelehrt, vom Menschenleben nicht zu schlicht zu denken.

Wenn wir uns heute hier und manche dann später an seinem Grab auf unserem Loschwitzer Friedhof dankbar an ihn erinnern, dann darf wohl mit Psalm 84 gesagt werden: Sein Wirken als Lehrer war mit viel Segen geschmückt! – Das begann für die Kruzianer weit vor 1981 .. deshalb lasse ich hier Hartmut Ritzschel zu Wort kommen ..

(Und er kam hier würdigend zu Wort…)

Pfingsten 2019 singen wir genauso wie zu Pfingsten 1989 vom Geist, der lehret .. Das überlieferte Geschehen lässt nach dem Geist, der uns zu lehren versteht, lässt nach dem Trost und dem Tröster fragen.

Nach ganz Grundsätzlichem also Ausschau halten – damals und auch heute, in dieser Zeit scheinbar großer Beliebigkeit. Wer hört heute noch gern lange zu, ob mir da einer Gedanken entwickelt, die auch mein Leben tragen können? Braucht es erst wieder ein „Gehen im Jammertal“, eine empfindliche Notlage, damit wir, wie es im Psalm heißt: .. daselbst Brunnen graben? Uns also nicht nur nach Freiheit, Glanz und Gloria, sondern nach Tiefe ausstrecken? Die Gabe des Pfingstfestes – sie ist unverfügbar, aber sie fällt, davon bin ich überzeugt, auch nicht einfach vom Himmel. Sie braucht wache, sich nach dem Geist sehnende  Menschen. Und sie wird von empathischen Menschen vermittelt, die uns zu Lehrern werden. Die uns Erfahrungen vermitteln davon, wie wir getrost und getröstet in dieser Welt leben können. Gott segne uns alle mit seinem Geist, dass wir einander zu solchen Menschen werden! Die einander nicht von oben herab belehren – das steht allein Gott zu. Sondern die einander durch ihr Miteinander zum Segen werden! Lernende sind und bleiben wir dabei lebenslang. So lange, bis Gott uns schauen lässt, was wir geglaubt haben.

Jesus sprach zum Abschied: Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote befolgen. Und ich will den Vater bitten, Euch einen andern Tröster zu geben, dass er bei Euch sei in Ewigkeit: Den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann.

Ihr aber erkennt ihn, denn er bleibt bei Euch und wird in euch wirksam sein.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Menschenvernunft erhelle und bewege unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserem Bruder und Heiland. AMEN


Konfirmationspredigt 2019, 2

zu Johannes 16, 23 b – 24 / 33 am Sonntag Rogate

Liebe Konfirmanden,

ich kann mir nicht vorstellen, dass es hier im großen Rund irgendjemanden gibt, der jetzt nicht gute Gedanken für einen von Euch im Herzen bewegt. Oder gleich für Euch alle: Wünsche, die in Erfüllung gehen mögen. Hoffnungen, die wahr werden sollen .. in naher und in ferner Zukunft!

Gute Gedanken werden zum Gebet, wenn wir sie Gott ins Ohr sagen – hier in der Kirche oder irgendwo da draußen, so wie damals – bei Eurer Geburt oder später am Kinderbett.

Bei der Taufe frage ich die Paten ganz offiziell: Werden Sie für Ihr Patenkind beten? Und da hab ich noch immer ein freundlich bestimmtes Ja! gehört. Manchmal zwar aus überraschtem Mund, aber ist diese Frage nicht die selbstverständlichste, die an den Taufstein gehört?

Ich ahne dabei, wie unterschiedlich es unter uns Christen bestellt ist mit der Praxis des Betens. Was dem einen von Kindesbeinen an vertrautes Ritual, als Tischgesang oder als liebgewordene Morgenmeditation, zu dem finden andere keinen Zugang. Oder allenfalls in Form eines Stoßgebets bei heller Aufregung. Dabei hat wohl jeder von uns schon einmal den Satz gehört: Gott ist nur ein Gebet weit von dir entfernt. „Nur“ ein Gebet? Diese Entfernung ist eben relativ.

Der heutige Sonntag trägt den Namen „Rogate!“ Er lockt, diese Entfernung zu überbrücken: Betet! Bittet! Dankt! Bleibt nicht stumm vor Eurem Schöpfer .. Rogate!

Ihr habt als Konfirmanden das „Vater unser“ gelernt, wenn Ihr es nicht sogar schon auswendig konntet, als wir im August 2017 starteten. Das Vater unser ist die Antwort, die Jesus seinen Freunden gab, als sie ihn angingen mit der Frage, die wir alle kennen: Sag, wie geht das – beten? – Da lehrte er sie: So sollt Ihr beten ..! (Mt 6, 9).

Heute lesen wir im Johannes-Evangelium Verse, die gleichfalls das Beten in den Blick rücken: Jesus nimmt Abschied von seinen Freunden. Und legt ihnen ans Herz, was ihn am meisten bewegt: Das Vertrauen zu Gott, den er „lieber Vater“ nennt.

Amen, das sage ich Euch: Alles, worum Ihr den Vater in meinem Namen bittet, das wird er euch geben!
Bis jetzt habt Ihr in meinem Namen noch um nichts gebeten. Bittet – und ihr werdet es bekommen. Dann wird eure Freude vollkommen sein! (Joh 16, 23 / 24)

Ein verführerisches Versprechen, mag mancher denken. Das könnte man ausnutzen wie eine Geldkarte, die mir plötzlich zur Verfügung steht. Was wünsche ich mir gleich einmal – wenn mir alles gegeben wird?

Ja, was sind unsere Wünsche und Hoffnungen? Haben wir überhaupt welche? Oder haben wir schon für alles eine App, für jedes Problem eine Versicherung? Wer gewohnt ist, auf sich selbst zu setzen, wer schon volle Hände und volle Schränke hat, der wird sich schwer tun, um etwas zu bitten. Gar zu beten.

Manche Wünsche und Hoffnungen scheinen zeitlos zu sein. Gewicht bekommen sie, wenn es spürbar an ihrer Erfüllung fehlt. Verleih uns Frieden .. wird dort zum lauten Schrei, wo der Frieden als zerbrechlich erfahren wird. Und andere Wünsche? Täusche ich mich, oder treten materielle Wünsche in unseren Breiten gerade etwas zurück? Es fehlt doch mehr noch an gemeinsamer Zeit, an Gelassenheit, an Stille. Und es kommen Bedrohungen in Sicht, die auch mit unseren Ansprüchen an Freiheit und Wohlstand zusammenhängen.

Not lehrt Beten! hieß es früher. Aber kennen wir noch Not? Manche von Euch sagen: Ich weiß garnicht, was ich mir noch wünschen soll, ich hab doch alles. Andere sehen Nöte, die hinter allem Reichtum lauern.

Vor Wochen schickte mir ein alter Freund der Gemeinde Aufzeichnungen seines Vaters von der Konfirmation 1919 – also genau vor einhundert Jahren! – Darin heißt es:

„Zu Ostern 1919 wurde ich in der Loschwitzer Kirche konfirmiert. Vater spendierte eine feldgraue Hose, die schwarz gefärbt wurde. Dazu erübrigte er (!) noch ein Paar schwarze Schuhe. Auch ein schwarzer Rock fand sich schließlich noch und fertig war der Konfirmand. Außer guten Ratschlägen und dem kirchlichen Segen gab es nichts, was heute so zu einer Konfirmation zu gehören scheint.“

Undenkbar, sich das heute vorzustellen, stimmt’s? Hundert Jahre sind eben eine lange Zeitspanne. Im Vergleich geht es uns anno domini 2019 bestens! Und – wie wird es in hundert Jahren sein? Tragen Konfirmanden dann überhaupt noch Hosen und schwarze Schuh, im Jahr 2119? – Der Segen aber wird es weiter sein, er bleibt das Eigentliche. Er unterscheidet Euer Fest von den sogenannten Weihen Eurer Klassenkameraden. Der Segen – mehr als schöne Worte. Er nimmt ernst, dass wir nicht aus uns heraus leben, sondern Teil der Schöpfung Gottes sind. Und da sind wir beim Gebet.

Wie anfangen, zu beten? Vielleicht mit dem Staunen beginnen, bestimmt aber mit dem Dank – für Licht und Atem, für unsere Freunde. Und später, wenn wir uns ins Danken eingeübt haben, Gott ans Herz legen, worum wir IHN noch bitten wollen.

Wenn wir dabei in Jesu Namen bitten, ist uns schon bewusst, dass Gott kein Wunschbriefkasten ist. Wir werden begreifen, dass Gott, den wir durch Jesus kennenlernen, manchen Wunsch anders erfüllt als wir es erwarten. Dass es erfülltes Leben gibt trotz vieler unerfüllter Wünsche.

Seid Euch bewusst: Ihr selbst seid, so wie Ihr seid, erhörte Gebete Eurer Eltern. Ihr seid, wie wir alle, Gottes Kinder, und die sollten mit ihrem Vater im Himmel reden – nicht nur über IHN. Und IHN erst recht nicht verschweigen!

In unserer Gemeinde denken wir gerade besonders an erhörte Gebete und erfüllte Träume. Das drückt sich in einer kleinen Liedzeile aus: Was müssen das für Träume sein, dass die Kirche in Loschwitz wieder aufersteht. Hoffnung, Leute, betet!

Dieses kurze Lied, das uns unser verstorbenes Gemeindeglied Peter Fücker hinterlassen hat, enthält alles, was zu rechtem Beten gehört: Staunen, Nachdenklichkeit, Zuversicht. Bitte, Dank – und die Einladung zum Mitbeten..

Schön und schwer, wie es eben nun einmal ist, wird nie im luftleeren Raum gebetet. Da sind Trauer und Verlust, da ist überschäumendes Glück.. – Wir beten zu Gott im Namen Jesu. Wir unterscheiden uns darin, dass wir nicht zu einem Heiligen beten, wie es ein immer wieder in unserer Kirche abgelegter Zettel nahelegt, der Judas Thaddäus als ganz besonderen Patron in verzweifelten Fällen empfiehlt. Solche Mittler zu Gott braucht es nicht, sagen wir Evangelisch-Lutherischen.

Und sind doch allesamt immer wieder Anfänger dabei, zu beten. Von uns weg zu sehen. Uns auf DEN zu besinnen, DER uns trägt. Wer kann das?

Gott ruft uns dazu. Ja, wir aber sind Menschen – und können nicht einfach so mit Gott reden. – Am besten tun wir beides: Im Kopf behalten, was wir vor Gott sollen und als Menschen nur schwer vermögen. Und eben damit Gott die Ehre geben.

So ist das Gebet einen immer neuen Anlauf wert. Jesus sagt dazu am Ende dieser Verse:

Das habe ich euch gesagt, damit ihr bei mir Frieden findet. In dieser Welt müsst ihr auch Leid und Schmerz aushalten. Aber verliert nicht den Mut: Ich habe diese Welt besiegt! (V 33)

Liebe Gemeinde, Rogate! Betet! – gerade auch, weil es eine schöne und manchmal schwere Angelegenheit ist. Und wie auch sonst in Beziehungen die Scheu da ist, sich drauf einzulassen. Haben wir es beim Beten doch nicht nur mit uns selbst zu tun. Da gilt der Anspruch, dass wir es wirklich mit Gott zu tun bekommen. Dietrich Bonhoeffer, ein blitzgescheiter deutscher Theologe, hat das vor achtzig Jahren in den Satz gebracht: Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Schicksal ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.

Diesen Satz sollten wir noch einmal meditieren:

Gott wartet auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten – und antwortet.

Solchen Glauben wünsche ich uns allen, nicht nur zum Sonntag Rogate, sondern für alle Zeit des Lebens. Daraus wächst der Mut zum Leben.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus (Phil 4, 7). AMEN

Fürbitten, formuliert von Konfirmanden

Ich danke Gott, dass ich ein gesundes Leben habe, genug Essen und Trinken und dass meine Familie wohlauf ist.

Ich bitte Gott, mich zu behüten auch an den finstersten Tagen. Und dass es zu meiner Konfi gutes Wetter wird. KYRIE

Ich danke Gott für die verschiedenen Charaktere der Menschen, das wir alle unterschiedlich geschaffen und so etwas Besonderes sind.

Ich bitte Gott, dass wir bewusster mit dem Leben umgehen.

Dass wir Menschen aufhören, aneinander vorbeizureden und blind umherlaufen. KYRIE

Ich danke Gott für Pflanzen und Tiere, für das Leben auf dieser wunderschönen Erde, die hoffentlich noch gerettet werden kann.

Ich bitte Gott, dass er mir zur Seite steht und mich vor schlechten Entscheidungen zu bewahren. KYRIE

Ich danke Gott, dass wir heute zusammen diesen besonderen Tag feiern dürfen. Dass ich jeden neuen Tag genießen und in diesem Luxus leben darf.

Ich bitte Gott, dass er es allen Menschen möglich mache, so zu leben. Und uns von heute an weiter im Glauben bestärkt. KYRIE

Ich bitte Gott, mich zu trösten, wenn es mir schlecht geht. Mir viel Kraft zu verleihen.

Ich möchte beten, schenk mir dafür die richtigen Worte. AMEN


Konfirmationspredigt 2019, 1

zu Apostelgeschichte 16, 23 – 34 am Sonntag Kantate

Liebe Konfirmanden, es wird euch nicht überraschen, wozu die Predigt am Sonntag Kantate locken will – zum Singen! Gott zu loben, wo auch immer ich bin. Gott zu preisen, wie auch immer ich mich gerade fühle..

Singen … Ihr wisst, das hat euch hier erwartet! Wenn wir uns donnerstags trafen oder Sonntag morgens, gesungen wurde fast immer. Mal mehr, mal weniger begeistert .. In Eurer Konfirmandenzeit habt Ihr erlebt, wie die Gemeinde ihre Kantorin verabschiedet und um ihren Nachfolger gekämpft hat. Was es in unserer Kirche bedeutet, dass der Glaube ins Singen lockt .. Auch heute klingt es von oben und von unten – ja, Ihr gehört in eine musikalische Gemeinde. Neben Euch haben heute alle Sänger und Sängerinnen ihren Festtag ..

Die spannende Frage ist nur: Warum sollte ich singen? Warum sollte ich mitsingen? Braucht es dafür eine besondere Stimme? Eine ganz besondere Stimmung .. ?

V 23 – 25

Unser Text aus der Apostelgeschichte beginnt heftig: Mit vielen Schlägen! Paulus und Silas, zwei Christen auf Missionsreise, hatten in der Stadt, die sie besuchten, eine Frau geheilt. Doch statt Dank ereilt sie eine Anklage: Sie hätten für Unruhe gesorgt. Da aber Ruhe erste Bürgerpflicht ist, schlägt man sie, steckt sie ins Gefängnis. Eingeschlossen, weggesperrt, hört man sie spätabends – singen. Singen?? Ja, wenn sie wütende Beschwerdebriefe schrieben. Wenn sie Fluchtwege suchten .. Das wäre logisch. Aber nein – sie singen! Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da. Um Mitternacht, ihrer Gebetszeit, singen und beten sie, auch in dieser vertrackten Lage .. Und anders als andere so laut, dass es auch die hören, die noch vier, fünf Zellen weiter feststecken.

Was könnten wir singen – ohne Noten? Warum sollten wir singen – wenn uns jemand einsperrt? Käme uns da noch etwas über die Lippen? Könnte der Gedanke an Gott uns dann etwas auf die Zunge legen, was hoffen lässt?

Draußen im Leben. Mitten in der Nacht. Eingesperrt mit der eigenen Angst .. ?

Ein Konfirmationsspruch? Ein Liedvers? Ein tröstlicher Gedanke? Was davon tragen wir im Gepäck?

Orgel .. und gemeinsam: Laudate omnes gentes laudate Dominum!

Da geschieht nun wirklich Unerwartetes: V 26 – 34

Wundersam verkehrt sich ihre üble Lage: Die Geschlagenen aus der hintersten Zelle, sie werden zu Ehrengästen. Ein Erdbeben reißt sie und all die anderen Gefangenen aus ihren Ketten. Plötzlich stehen die Türen offen, doch Paulus und Silas – bleiben. Sie bewahren den Aufseher davor, sich das Leben zu nehmen. Sie werden – seine Tischgäste!! Die ehrt er mindestens so sehr wie Ihr heute Eure Gäste. Gibt’s doch da wirklich etwas zu feiern – in Loschwitz und Wachwitz wie eben damals in diesem Philippi! Nicht, dass wir uns selber feiern. Wir feiern eine Freude, die ohne Gott nicht zu denken ist. Das geht nun an Sie, liebe Eltern: Ganz sicher gehört Ihre Tochter, gehört Ihr Sohn heute in die Mitte aller Aufmerksamkeit. Aber eben so, wie wir in unseren Beziehungsgeschichten heute zusammenkommen: Bis hierher hat Sie, hat Euch, hat uns Gott gebracht .. !

In Sichtweite auf Philippi, den Schauplatz dieser Geschichte, wird bis heute gesungen – auf dem Athos reiht sich ein orthodoxes Kloster ans andere.. Ein ununterbrochenes Gotteslob, tags und nachts, erklingt dort, wo Europa das erste Mal mit dem Christenglauben in Berührung kam..

Eben mit dieser (!) Begegnung: Den Wärter traf es in seiner ganzen Existenz: Er gewinnt sein Leben noch einmal: Mit seinem ganzen Haus, mit Kindern und allem Personal, lässt er sich taufen. Weiß sich gerettet, nicht nur für eine Nacht – genauso wie sich Paulus und Silas gerettet sehen. Im Morgenlicht verblassen die Wunden von gestern. Eine Auferstehungsgeschichte ist das .. !?

Liebe Konfirmanden, ja, da ereignet sich Wundersames. Aber: Braucht es erst Fußballabende wie in der vorletzten Woche, um sich über Wunder zu wundern? Gehen nicht manchmal mitten im Leben die Augen über? Unerwartet öffnen sich Türen. Lösen sich Fesseln, lichten sich Nebel. Und das Leben bekommt tiefen Sinn. Sicher spürt Ihr, dass wir mit dem Glauben mehr als auswendig Gelerntes mit Euch teilen. Die Erinnerungen Eurer Konfirmandenzeit wollen Euch locken, in der wunderbaren Gewissheit zu wachsen, dass Gott uns kennt und liebt. Wollen locken, mitzusingen, weil ich mich berührt weiß. Weil DER mein Herz gewonnen hat, dem ich vertraue.

Wir wünschen Euch heute natürlich Schritte in die große Freiheit des Lebens, eine helle Zukunft – keine Gefängnis-Erfahrungen. Dabei weiß jeder: Unsere Welt hat auch Beklemmendes zu bieten! Aber: An Widerständen wachsen wir auch! Das lese ich hier – und erinnere selber so eine Geschichte. Da war ich gerade fünf Jahre älter als Ihr. Bausoldat auf Rügen. Und wirklich in eine Gefängniszelle gesperrt. Wir hatten einen Ausgang genutzt, den befreundeten Pfarrer zu besuchen, mit der Hand die Glocken zu läuten, im Gottesdienst zu singen. Nur: Seine Dorfkirche lag jenseits des erlaubten Gebiets für unseren freien Tag. Das war in der Unfreiheit der kleinen DDR Grund, in einem Matrosenknast eingesperrt zu werden. Ich erinnere mich, dass ich da auch gesungen habe. Bekehrt habe ich damit zwar keinen, oder doch? Mich selber, von der Angst, dort zu verstummen. – Es ist eine Erinnerung wie aus einem anderen Leben.

Alle Zukunft ist offen. Keiner weiß, welches finstere Tal, welche grünen Auen auf uns warten. Dass aber Gott mitgeht, dieses Vertrauen, diese Zuversicht wünsche ich jedem von Euch. Ihr gewinnt es mit Anderen – so, wie Paulus und Silas. Dazu sind wir Gemeinde Jesu, einander zu tragen, wenn es schwer wird. Gott immer neu zu loben, selbst noch im Stimmbruch. Durchs ganze Jahr – vom Advent bis zum Erntedank. Kantate ist der Termin der großen Ermunterung dazu!

Zum Schluss noch ein Wort von Paulus. Eins seiner am häufigsten zitierten. In einem Brief an seine in Philippi gewonnenen Freunde geschrieben, ist es zugleich ein Wunsch für uns alle:

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus (Phil 4, 7). AMEN

Fürbitten, formuliert von Konfirmanden

Ich danke Gott, dass ich eine sehr nette Familie, dass ich Freunde habe. Dass ich geliebt werde und dass ich lieben darf.

Ich bitte Gott, dass meine Oma und mein Opa noch lange leben. KYRIE

Ich danke Gott für Frieden und Gesundheit. Für das frohe Miteinander in unserer Gruppe. Dafür, dass meine Eltern immer für mich da sind.

Ich bitte für ein Ende der Kriege. Dass Kinder überall zur Schule gehen können. Und – dass am Sonntag die Sonne scheint! KYRIE

Die KonfiZeit hat mich mit neuen Erfahrungen bereichert. Hat mir Anstöße gegeben und manchen aufregenden Moment dazu.

Ich bitte Gott darum, dass dieses behütete Leben nicht zerbricht und ich mein Lächeln behalte. KYRIE

Ich freue mich, mit vielen anderen Menschen zur Kirche zu gehören.

Ich bitte dich, dass wir uns nicht verlieren. Dass Du, Gott, uns nah bleibst. Dass Du mich und uns alle immer begleitest und diese Welt  beschützt. KYRIE

Ich kann singen, weil wir frei von Gewalt und Ausbeutung leben. Weil ich mit meinen Eltern über alles reden kann, was mir auf dem Herzen liegt. – Weil Du, Gott, da bist und uns bestärkst! AMEN

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