Pfarrer Markus Deckert

Liebe Loschwitzer und Wachwitzer,
liebe Gemeinde,

es war auf der Rückreise aus einem Urlaub im Süden. Der See mit dem klangvollen Namen lag fast an der Strecke – dann also dieser kleine Umweg! Wir sollten es nicht bereuen: Grün und klar glitzerte das Wasser, auf einer Landzunge, die wir erklommen, schienen die hohen Berge unterm blauen Himmel zum Greifen nah. Und in der Kirche am Ufer erwartete uns Stille und dann ein besonderer Anblick – eine Kanzel, die nicht nur Ort für .. sondern selbst schon eine Predigt war.

Die „Fischerkanzel“ (1753), von einem namentlich Unbekannten geschnitzt, stellt kunstreich das Wunder eines überreichen Fischfangs dar. Die Apostel Jakobus und Johannes ziehen, wie sie nur können – ziehen das von Fischen schwere Netz. Im Hintergrund steht Christus – und Petrus kniet vor ihm.
Jesuiten aus Passau gestalteten die Barockkirche von Traunkirchen (Salzkammergut) so, wie sie bis heute zu sehen ist. Und in ihr diese Kanzel, die auch einer Gemeinde ganz ohne Kanzel gezeigt gehört.

Titel des Gemeindebriefes für den Sommer 2019

Mit dem Einbau des Nosseni-Altars aus der Sophienkirche haben die Loschwitzer einen besonderen Ort der Andacht gewonnen. Er verbindet uns mit der Geschichte Dresdens und der Wettiner in außergewöhnlicher Weise. Zugleich war seither nicht mehr daran zu denken, dass es in der wieder erstandenen Kirche wie ehedem eine Kanzel geben würde. Ein schlichtes Pult ist der Ort der biblischen Lesungen und der Predigt. Nur wenigen ist von Bildern der Anblick des früheren Kanzelaltares aus der Erbauungszeit der Kirche vertraut.
Anders aber die Geschichten, die von der Fülle der Gaben Gottes reden – so wie diese Fischerkanzel. Da ist das Bild vom Rebstock, der wächst und gedeiht und Frucht bringt. Es gehört an den Elbhang! Und spiegelt sich im Tauf-Rebstock in unserer Kirche wieder.
Da ist das Bild vom Weizenkorn, das in die Erde fällt und hundertfache Frucht bringt. Ein Sommerbild! – Und daneben ein Bild wie dieses: Jesus schickt die erfolglosen Fischer noch einmal los. Und weil sie ihm vertrauen, gerät ihnen der Fischzug zum Wunder.
Im Fischnetz haben sich Menschen wiedererkannt, die Jesus – dem Menschenfischer – gefolgt sind. Heute mögen uns da andere Bilder näher sein. Aber der Anziehungskraft von Jesu Person und Botschaft, der sollen auch wir nicht im Weg stehen. Der können wir trauen. Und in seinem Namen die Netze auswerfen – einladend, werbend, präsent in guten und schweren Zeiten.

Der Glaube kommt vom Hören. Davon, dass ich erlebe, wie die Wahrheit des Wortes meine Aufmerksamkeit beansprucht, mein Herz gewinnt.
Wer Ohren hat, zu hören, der wird von der Predigt des Gotteswortes berührt und provoziert. Der eine hört sie in den ersten Lebensjahren schon in Kinderkirche, Christenlehre oder abends im Bett, wenn Mama oder Papa mit mir beten oder von Noah und Zachäus erzählen. Anderen erschließt sich Gottes Predigt am glitzernden Traunsee oder in der Einsamkeit der Bergwelt. Vielleicht in den nahen Ferienwochen wieder? Alle aber sind wir eingeladen, in Gottes Haus, wo auch immer es steht, zu hören, was uns gesagt ist.
Da sind wir dann die, deren Entschlusskraft gefragt ist, aufzubrechen. Hinzugehen – trotz allem, was uns abhalten will. Haben wir Ohren, den Ruf Jesu, das Wort der Predigt und darin den Ruf an uns selbst zu hören? Das ist eine große, eine lebensentscheidende Frage. Sie meint unsere innere Gestimmtheit, unsere Bereitschaft zum Hören. Sie ist aber auch eine Frage von Akustik und Resonanz.

Wir werden absehbar in der Gemeinde wieder ganz offiziell zu streiten haben, ob es nur mit Verstärkeranlage möglich ist, einander in unserer Kirche zu erreichen. Mancher ist davon überzeugt. Andere plädieren für Lektorenkurse und die Abkehr vom liebgewordenen Stammplatz.

In jedem Fall wird es im Herbst über mehrere Wochen eine ergebnisoffene technische Erprobung geben, deren genaue Termine rechtzeitig bekanntgemacht werden. Verantwortlich ist dafür Paul-Gerhard Weber. Danach ist einander gut zuzuhören und am Ende zu entscheiden. – Bis dahin mag jede und jeder überlegen, was er selbst für seine Hörfähigkeit tun kann. Jüngst hat mir ein Freund, noch längst keine 60, erstaunt erklärt, welches Wunder für ihn der Besuch eines Hörgeräteakustikers ausgelöst hat..
Jesus hat vor tausenden Menschen gesprochen. Im Boot zu denen am Ufer. Oben auf dem Berg. Im Vorhof des Tempels. Ohne Mikrophon. Und dennoch hatte sein unerhörtes Reden Folgen. Folgen bis heute – auch für uns, wenn wir hinhören, uns konfirmieren (bestärken) lassen von Gottes Geist. Wenn wir uns in seine Mission (Sendung) hineinstellen und selbst – auch gegen den Augenschein des zahlenmäßigen Erfolges – bereit werden, Menschen zuzuhören. Bereit werden, ihnen vom eigenen Glauben zu erzählen, sie gewinnen wollen, wie es uns allen, zu lesen bei Matthäus 28, 19/20, geboten ist.
Wenn wir das Netz auswerfen, um das Lebensglück zu finden, sollen wir hören, dass Gott uns längst ruft – und unser Glück ist.

Uns allen einen gesegneten Sommer!

Ihr Pfarrer Markus Deckert

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