Pfarrer Markus Deckert

Liebe Loschwitzer und Wachwitzer,
liebe erwünschte, erwartete, potenzielle Gäste,

jetzt hängen wir es an die große Glocke:
Es ist Fest-Zeit in Loschwitz!

Nicht, weil wir ab 1. Januar 2020 in einer inzwischen genehmigten neuen Kirchenstruktur eingebunden sein werden. Das wäre kein Grund zum Feiern – jede sächsische Kirchgemeinde ist aktuell genötigt, sich in einer größeren Struktur einzugliedern. Und absehbar wird es auch nur noch einen Kirchenbezirk Dresden geben. Nein, eine Fest-Zeit rufen wir aus, weil ..

.. wir in den Spätsommer-Wochen die 25. Wiederkehr der Weihe unserer Kirche erinnern, begehen, besingen und bedenken werden. Ihre sagenhafte Wieder­erstehung bis 1994, die längst nicht jede und jeder von uns miterlebt hat.

Und doch ist es wie zu Erntedank: Wir alle leben mit und davon, dass es sie gibt! Verschiedene Fest-Formate, zu denen jüngst im Pressegespräch informiert wurde, knüpfen daran an. Bilder der Kirche werden ausgestellt. Aus Gäste­büchern wird gelesen. Die damaligen Spender der Fußbodenplatten und andere Ehrengäste werden extra eingeladen. Es wird festlich musiziert und vielfältig gewürdigt, was damals mit Wagemut und in der Hoffnung auf Segen ins Werk gesetzt wurde.

Titel des aktuellen Gemeindebriefs

Sie als Gemeindeglieder und Nachbarn am Hang, als Sympathisanten in der Ferne wie als überelbsche Pendler sollen davon zuerst erfahren und sich eingeladen wissen! Mancher von Ihnen war damals schon dabei. Hat noch mitgeträumt von diesem Bau. Hat später Schubkarren geschoben, hat mit Schwielen an den Händen schwere Kirchenbänke bewegt. Hat nächste Schritte mitdiskutiert. Hat seine Brieftasche mit den noch neuen D-Mark-Scheinen gezückt und Andere ermuntert, mitzuspenden! Viele derer, die damals den Weihegottesdienst miterlebt haben, sind inzwischen verstorben. Andere aber quicklebendig unter uns und könnten erzählen. Sie sollen es, und das Fest wird den Rahmen dafür bieten! Nur so wird auch die nächste und übernächste Generation nicht wie selbstverständlich nehmen, dass es eine Kirche in Loschwitz gibt. DIESE Kirche mit ihrer so besonderen Geschichte! Nur so bleibt das ,Wunder von Loschwitz‘ im Gedächtnis und lockt, nun heute diesen Ort der Begegnung und Anbetung, der Besinnung und Feier zu erleben und zu nutzen.

In sie immer wieder einzutreten. Sie nicht nur flüchtig aus dem Autofenster vorbeiziehen zu lassen. Auf AKTUELL finden Sie das Fest-Programm, beginnend bereits am 8. September, kulminierend – wie immer bei uns – in der ersten Oktoberwoche.

Und dann, wenn nach den Herbstferien die Tage kürzer und kühler werden, wird uns ein weiteres Jubiläum ins Haus stehen: Davon erzählt unser Titelbild. Wer die beiden sind? Rebekka und Anton – mehr wird hier nicht verraten. Sie stehen – das ist mutig! – ganz oben an einer der drei Loschwitzer Bronzeglocken. Viele Stufen haben sie sich, klopfenden Herzens, hinaufgemüht, um einmal dort zu sein, woher die vertrauten Töne des Stundenschlages und des Geläutes dringen – bis in manche Wohnung am Hang, von der man die Kirche längst nicht mehr sehen kann.

1968 wurden die Glocken bei Schilling in Apolda gegossen, als noch längst nicht sicher war, dass es in Loschwitz dereinst wieder eine Kirche geben würde. Am 2. November 1969, vor gerade fünfzig Jahren, wurden sie geweiht.

Glocke Zwischenlager im Gemeindehaus 1968

In tiefen DDR-Zeiten wechselte sich ein Kreis von Enthusiasten ab, sie per Hand zu läuten, aufgehängt in einem separaten Glockenstuhl. Warme Glockenklänge aus der Ruine – das hatte schon etwas subversives! Das Geläut war damals und ist auch heute mehr, viel mehr als ein Zeitsignal. Die Alten wussten es noch: Glocken rufen zur Einkehr, zur Umkehr, zur Heimkehr.

Wissen wir es auch? Lassen wir uns gelegentlich herausreißen aus der ja auch sonst geräuschvollen Wirklichkeit? Hören wir den Ruf der Glocken? Es könnte heilsam sein. Es könnte uns helfen, wieder ergriffen zu werden von dem, was wesentlich für unser Leben ist. Resonanz zu spüren zwischen unserem Ich und all dem, was uns von Gott her im Leben zugespielt wird. Ja, und zu wissen, wann und mit wem das Leben gefeiert werden kann – in den Festen des Spätsommers und auch sonst übers Jahr.

Mit wem? Mit Anton und Rebekka und so vielen anderen .. und gern auch mit mir.

Ein freundlicher Gruß in den Alltag des Lebens wie in die Stunden des Festes!

Ihr Pfarrer Markus Deckert

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